Eisleben-Sangerhausen

Die Erde unter meinen Füßen bewegt sich. Die Straßen bewegen sich wie mein Brustkorb beim Atmen. Die ersten Hügel nach hunderten Kilometern Flachland. Ich laufe bergauf und bergab, es macht mir keine Mühe, es fühlt sich nach Heimat an. Es sind noch 250 Kilometer bis Frankenberg. Aber ich sehe wieder Kirchtürme aus den Hügel aufragen, ich sehe Landschaften, die sich auffalten und Wege, die sich um Höhenzüge biegen. Es ist die Topographie, der ich vertraue, eine Landschaft, in der man auf den Hügeln weit blicken kann, und in der man doch im Tal immer geborgen ist. Es ist das Land, das ich seit meiner Kindheit liebe.

 

Das Wetter ist trüb, und aus den Hügel schälen sich Baumgruppen, Schwarz auf Grau. Die Hügel fließen am Horizont wie Kohlehalden zusammen. Alles, was weiter als 50 Meter entfernt ist, sieht aus, als habe man es aus Tonpapier ausgeschnitten. Deutschland ist ein Scherenschnittland in diesen Tagen.

 

In Eisleben versucht mich ein Fremdenführer zu einer Stadtführung zu überreden, als er sieht, wie ich Bilder mache. Ich lehne lachend ab, und er scheint im Grunde nichts anderes erwartet zu haben. Und gegen Mittag esse ich in einem Landgasthaus, in dem mir weder Gäste noch Angestellte trauen. Alle Stimmen verstummen, als ich den Wirtssaal betrete, und es ist für kurze Zeit still, als ich gehe.

 

Das erste, was ich von Sangerhausen höre, ist Hundegebell. Es ist oft so, wenn ich eine Stadt über Feldwege erreiche: Die einzigen Anzeichen von menschlichen Leben sind Haustiere. Es ist kalt und es nieselt. Und ich spüre, wie der Winter zurück kommt.

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