Beelitz-Treuenbrietzen: Die Sache mit dem P-Wort

Ich will statt des Tages nur einen Moment beschreiben: Wie ich zwischen schmalen Vorgärten an einer Straße saß und plötzlich in Brandenburg angekommen war.

 

An diesem Morgen war mir das Wetter egal, und die Strecke war eben. Die Luft roch noch immer nach Wasser, aber die Wege waren schon freigeschmolzen. So lief ich in vier Stunden beinahe 15 Kilometer. In Buchholz wollte ich zu Mittag essen, doch der einzige Gasthof im Ort hatte eine geschlossene Gesellschaft. Von der ich nichts hören konnte. Ich lief zurück zur Bushaltestelle, setzte mich auf die schmale Holzbank und packte meine Brote aus, die ich mir am Morgen im Hotel geschmiert hatte.

 

An mir schossen die Autos vorbei. Ich hatte das Gefühl, dass die Fahrer schneller unterwegs waren, als das innerorts erlaubt ist. Vielleicht lag das aber auch an meinem Wandertempo. Besonders laut waren die Lastwagen: Die Ventilkreise der Bremsen zischten, und die Motoren heulten unter dem Führerhaus. Doch plötzlich näherte sich mir von rechts ein silberfarbener Opel Kombi, der in Schrittgeschwindigkeit an der Bushaltestelle vorbei fuhr. Ich sah einen älteren Mann mit Hut und Brille, auf dem Beifahrersitz saß seine Frau. Zuerst dachte ich, er wolle vielleicht auf eines der Grundstücke einbiegen, doch er starrte mich an, mit Augen wie Eurostücke. Ich biss in mein Brot und schaute ihn an, aber es war ihm offenbar völlig egal, dass seine Blicke mir langsam unangenehm wurden. Schließlich war er auf gleicher Höhe mit der Bushaltestelle, und fast hätte er angehalten, so langsam war er nun. Weil er mich immer noch anstarrte, starrte ich zurück. Ich achtete darauf, dass mein Blick genau den Bewegungen seines Kombis folgten, weil ich die Wurzel seiner Erregung offen legen wollte. So dass es ihn schmerzt.

 

Nun schimpfte seine Frau vom Beifahrersitz, das heißt, ich konnte gerade nur sehen, dass sie hastig ihren Mund bewegte. Der Mann löste seinen starrenden Blick, seine Stirn warf Falten, und ich konnte klar von seinen Lippen lesen, wie sie fest aufeinanderlagen und dann einen bellenden Vokal losließen: P-E-N-N-E-R. Dann fuhr er davon.

 

Ich saß noch ein paar Momente auf der Bank, hatte keine Ahnung, warum mich dieser Moment so beschäftigte. Dann kam ich drauf: Es war das erste Mal auf meiner Wanderung, dass ein Fremder in Brandenburg mehr mit mir geredet hat, als er unbedingt musste.

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